Über die Berechnung der Schornsteinhöhe
Dieser Rechner bestimmt die erforderliche Schornsteinhöhe bzw. die Austrittshöhe der Abgasanlage in Bezug auf Dach/First und optionale Hindernisse in der Umgebung. Ziel ist eine praxisgerechte Mindesthöhe, damit Abgase sicher abgeführt werden und typische Zugprobleme durch ungünstige Anströmung am Dach vermieden werden.
Ausgegeben wird die Gesamthöhe H der Schornsteinmündung über dem Boden in Metern, abgeleitet aus der Gebäudehöhe bis zum First und den Abstands- bzw. Hindernisbedingungen.
Orientierungen und Empfehlungen
Eingangsdaten sind die horizontale Entfernung A (in m) vom Schornstein zum First sowie die Firsthöhe H1 (in m) über dem Boden. Optional können ein Hindernis mit Abstand L (in m, vom gleichen Bezugsrand wie A) und dessen Höhe H2 (in m) berücksichtigt werden.
Berechnung nach Firstabstand erfolgt stückweise, weil sich die erforderliche Mündungshöhe je nach Nähe zum First ändert. Zuerst wird eine Dachbedingung H_dach (in m über Boden) aus A und H1 gebildet:
Nahbereich am First für A ≤ 1,5 m: die Mündung wird pauschal um 0,5 m über den First gelegt, also H_dach = H1 + 0,5. Diese Reserve dient als gängiger Sicherheitsabstand gegen Verwirbelungen direkt am First.
Übergangsbereich für 1,5 m < A ≤ 3,0 m: die Mündung wird mindestens auf Firsthöhe angesetzt, also H_dach = H1. In diesem Bereich wird häufig die Gleichhöhe zum First als praktikabler Mindestwert verwendet.
10°-Regel für A > 3,0 m: die Mündung muss eine gedachte Linie unterschreiten bzw. übertreffen, die vom First mit 10° zur Horizontalen nach unten verläuft. Rechnerisch wird die erforderliche Höhe über Boden so angesetzt: H_dach = H1 - A · tan(10°). Der Term A · tan(10°) (in m) ist der Höhenabfall der 10°-Linie über die horizontale Strecke A.
Hindernisprüfung wird nur angewendet, wenn ein Objekt (z. B. Nachbargebäude, Wand, Baumgruppe) die Strömung beeinflussen kann. Voraussetzung ist, dass das Hindernis weiter entfernt liegt als der Firstbezug des Schornsteins, also L > A; andernfalls ist die Geometrie widersprüchlich. Für das Hindernis wird eine zweite Mindesthöhe H_hind berechnet:
Hindernislinie: es wird eine 1:1-Abfalllinie (45°) vom Hindernis zur Schornsteinposition angenommen und zusätzlich 0,5 m Sicherheitsabstand addiert. Mit dem Abstand zwischen Hindernis und Schornstein (L - A) ergibt sich H_hind = H2 - (L - A) + 0,5. Der Ausdruck (L - A) (in m) wird dabei als Höhenabfall entlang der 45°-Linie interpretiert.
Endwert ist das strengere Kriterium: H = max(H_dach, H_hind). Damit wird sichergestellt, dass sowohl die Dach-/Firstbedingung als auch die Hindernisbedingung erfüllt ist. Negative Zwischenwerte werden in der Praxis zu 0 gekappt, weil eine negative Bauhöhe physikalisch keinen Sinn ergibt.
Rundung: das Ergebnis wird auf zwei Nachkommastellen in Metern gerundet, um Planungs- und Prüfwerte gut ablesbar zu halten. Für die Ausführung wird üblicherweise zusätzlich auf baulich sinnvolle Maße (z. B. 5 cm oder 10 cm) gerundet, abhängig von Systembauteilen.
Normativer Hinweis: Die hier abgebildete Logik folgt verbreiteten geometrischen Regeln zur Lage der Mündung relativ zu Dach/First und Hindernissen. Für die projektspezifische Auslegung und den Nachweis (z. B. unter Wind-, Abgas- und Brandschutzaspekten) sind insbesondere EN 15287-1 (Auslegung/Einbau von Abgasanlagen), EN 13384-1 (Abgasberechnung), EN 1443 (Allgemeine Anforderungen an Schornsteine) sowie in Deutschland DIN 18160 (Abgasanlagen) als gebräuchliche Referenzen heranzuziehen.
- Typische Reserve: Häufig wird in Firstnähe eine Zusatzhöhe von 0,5 m angesetzt, um turbulente Rückströmungen am Dach zu reduzieren.
- Mehrere Begrenzungen: Wenn sowohl Dachgeometrie als auch Hindernis relevant sind, zählt stets das Maximum aus beiden Mindesthöhen.
- Einheitenkonsistenz: Alle Eingaben müssen in Metern erfolgen; gemischte Einheiten (cm/mm) führen zu systematischen Fehlern.
- Praxischeck: Neben der geometrischen Mindesthöhe sind Querschnitt, Abgastemperatur und Unterdruckbedingungen für einen stabilen Zug entscheidend (Nachweis typischerweise nach EN 13384-1).
FAQs
Warum gibt es drei Bereiche für den Abstand zum First?
Die erforderliche Schornsteinhöhe über Dach hängt davon ab, wie stark die Strömung am First die Abgasfahne beeinflusst. Nah am First wird eine Sicherheitszugabe verwendet (H1 + 0,5), im mittleren Bereich reicht oft Firsthöhe, und bei größeren Abständen gilt die 10°-Linie als geometrisches Mindestkriterium.
Was bedeutet die 10°-Berechnung genau?
Bei A > 3 m wird eine Linie vom First aus mit 10° nach unten angenommen. Der Rechner zieht den Höhenabfall A · tan(10°) von der Firsthöhe H1 ab und erhält so die Mindesthöhe der Mündung über dem Boden, damit der Schornstein oberhalb dieser Linie endet.
Wann sollte ich ein Hindernis berücksichtigen?
Ein Hindernis ist sinnvoll, wenn es in Strömungsrichtung oder in der Nähe der Abgasfahne liegt und höher ist als die Umgebung (z. B. Nachbargebäude, hohe Wand, Baumgruppe). Dann kann eine zusätzliche Mindesthöhe entstehen, die über H = max(H_dach, H_hind) automatisch berücksichtigt wird.
Warum muss beim Hindernis gelten: L > A?
Der Abstand L beschreibt die Lage des Hindernisses relativ zum gleichen Bezug wie A; das Hindernis muss weiter „hinter“ dem Schornstein liegen, damit der Abstand (L - A) zwischen beiden positiv ist. Andernfalls ist die Geometrie nicht konsistent und die Hindernisformel liefert keine sinnvolle Aussage.
Ist die berechnete Schornsteinhöhe schon die endgültige Ausführungshöhe?
Sie ist eine geometrische Mindesthöhe über Dach/First bzw. über einer Hindernislinie und eignet sich als Planungsrichtwert. Für eine vollständige Auslegung der Abgasanlage sind je nach Anwendungsfall zusätzliche Nachweise und Randbedingungen nach EN 15287-1, EN 13384-1 sowie nationalen Vorgaben (z. B. DIN 18160) erforderlich.